Das Märchen vom Finden der eigenen Vision

Januar 29, 2018
Zugegeben, es klingt wirklich gut: „Finde dein Geschenk für die Welt, etwas, das du zu geben hast. Mache es zu einem Ziel, das größer ist als du selbst und dann go for it! Niemand kann dich stoppen, wenn du eine solche Vision verfolgst und das Universum wird alles erdenkliche tun, um dir dabei zu helfen! Du wirst erfüllt leben und viel Geld verdienen.“
An diesem Punkt fragt sich doch nun verständlicherweise der größte Teil, wenn nicht sogar alle: Was genau ist denn meine Vision und wie finde ich sie? Die sozialen Netzwerken sind voll von der Frage, Podcastfolgen und Blogartikel handeln vom „Finden DER einen Vision“. Ich lese immer wieder: „Ich habe meine Vision noch nicht gefunden..“ Und ich stoße auch immer wieder auf Menschen, die etwas „lost“ wirken, in diesem ganzen Karussell der persönlichen Weiterentwicklung. Die meisten wollen „Menschen inspirieren“, Coach werden oder Berater- sie machen Ausbildungen, Zertifikate und Kurse- ja man kann sagen, viele jagen ihrer Vision regelrecht hinterher.

Klingt anstrengend? Jetzt die gute Nachricht: Du brauchst keine Vision!

Ich nehme allen, die sich angesprochen fühlen, einfach mal den Druck und behaupte, dass nicht jeder DIE eine große Vision braucht! Anders ausgedrückt: Ich glaube, dass alles, was wir brauchen schon uns uns ist und wir alle Dinge haben, die uns Spaß machen und Freude bereiten. Wenn du also aus großer Freude etwas tust, es nur nicht als „Vision“ formulierst, ist es doch trotzdem nichts anderes, oder?
Gerade genieße ich die letzten Tage auf Bali, wo der Hinduismus tagtäglich eine große Rolle spielt. Die Hindus glauben daran, dass jedes Lebenwesen einen Zweck erfüllt, das sogenannte „Dharma“. In unserer westlichen Welt wird die Bedeutung von „Dharma“ oft mit „unseren Traum/unsere Absicht leben“ übersetzt, was den Begriff allerdings verfehlt. Es ist nicht die Suche nach dem Glück gemeint, die immer mit äußeren Umständen zusammenhängt. Unser „Dharma“ braucht allerdings weder gejagt, noch erschaffen werden- es ist schon da. In uns. Wenn wir also unser Dharma leben, dann machen wir einfach das, was gerade da ist und verfallen nicht in ein gewünschtes Resultat in der Zukunft, um einen bestimmten Gefühlszustand zu erreichen.
Die Balinesen sind ein sehr spirituelles Volk, überall Räucherstäbchen, Opfergaben und Segnungen. Sie geben fast 50 % ihres monatlichen Einkommens für Opfergaben, Rituale und Zeremonien aus und das, obwohl sie im Schnitt höchstens 150 $ verdienen! Trotzdem habe ich viele glückliche Menschen gesehen, die nichts in Frage stellen, die nicht mehr oder weniger verlangen. Kaum einer von ihnen wird jemals in ihrem Leben reisen können. Trotzdem sind sie dankbar, jeden Tag.
Wenn wir wieder mehr nach innen gehen, nicht jeden Tag verzweifelt einem äußeren Umstand nachjagen, das machen, was uns schon immer Freude bereitet hat- was bereits in uns angelegt ist – dann glaube ich, dass wir unsere „Bestimmung“ leben können (mit der wir übrigens NICHT zwingend unseren Lebensunterhalt verdienen müssen!).

Vergleich ist der Tot der Freude

Ich kenne das Gefühl, wenn man bei Instagram unterwegs ist: Jeder hat gefühlt mehr Follower, macht tollere Bilder, hat coolere Ideen usw. Aber dieses Vergleichen entfernt uns von unserem höheren Selbst, von dem Teil, in dem alles angelegt ist. Wir jagen also weiter, weil wir etwas wollen, was vermeintlich jeder andere hat.

Hör auf zu jagen und gib dich dem Leben hin

Ich glaube, dass wir die Kontrolle aufgeben müssen. Wir sind ein reiches Volk, leben in einem unglaublich reichen Land und haben so viel! Es muss also nicht die typische Vision sein: „Ich will 1 Million Menschen bis dahin erreichen und sie dazu motivieren…“ Nein. Es kommt von innen. So individuell wie wir nun mal alle sind. Mutter, Freundin, Schwester, Tante, Maler, Buchhändler, Fotograf, Arzt- was auch immer dein Dharma ist, deine Essenz- du brauchst nicht suchen, es wird sich dir offenbaren als deine Begeisterung, deine Freude, deine Liebe zum Leben!
Bring dein Licht zum Leuchten- denn die Welt braucht es. Im großen, wie im Kleinen.  Auf großen Bühnen, in kleinen Läden, in Kinderzimmern, in Schulen, in Büroräumen… Wo immer du auch bist, du bist ein Krieger des Lichts! Let it shine!
Viele Grüße von der Insel der Götter
Annemarie

Photo by Avi Richards on Unsplash

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