Vor einem Jahr und heute- ein Rückblick

Januar 10, 2018
Heute vor genau einem Jahr habe ich beschlossen, meinen Job zu kündigen. Alles hinzuschmeissen, was mich in den letzten Monaten belastet hat und dem zu vertrauen, was dort kommt.

Situation damals, 10. Januar 2017:

Ich bin jeden Tag zur Arbeit gefahren, die mich nicht erfüllt hat. Ich habe zwar einen guten Job gehabt, der auch etwas Kreativität zuließ, aber ich habe mehr und mehr gefühlt, dass er nicht mehr mit meinen Werten übereingestimmt hat. Für mich war es wie eine Rolle, die ich spielen musste, um noch dazu zu gehören. Es gab Menschen bei dieser Arbeitsstelle, die sind jeden Tag dorthin gefahren, um beschäftigt zu wirken- dabei waren sie es nicht. Oft fühlte ich mich wie in einem Theaterstück- viel gespielt, alles Fassade. So deutlich, wie heute, habe ich das damals natürlich nicht gesehen. Ich konnte mich einfach nicht mehr mit dem Job identifizieren und ich bin jemand, für den darf der Job nicht einfach nur ein Job sein. Es muss mich begeistern, nur so kann ich jeden Tag mit Freude meine Zeit dafür hergeben. ZEIT. Das ist doch das wichtigste was wir alle haben, oder?
Ich kam an dem besagten 10. Januar 2017 nach Hause, bei der Arbeit waren wieder so viele Dinge passiert, die ich wie ein Schleier aus Vorwürfen und Ärgernissen überall mit hinnahm. Ich spielte zu dem Zeitpunkt immer mal wieder mit dem „völlig verrückten“ Gedanken zu kündigen, es war wie ein Samen, der nach und nach immer kräftiger wurde, wuchs und gedieh. Am Anfang verwarf ich diesen Gedanken immer wieder, aber er setzte sich durch. Nun stamme ich nicht aus einer Familie, die mich zur Verrücktheit erzogen hat 😀 Eher das Gegenteil: Ich bin das harmoniebedürftige Sandwichkind, das immer stark ist und nie die Kontrolle verliert. Ich habe immer einen Plan A, B und C.
Als ich nach Hause kam, der Sturm der Kündigungsgedanken tobte ja mittlerweile seit Monaten in meinem Kopf, fühlte ich, dass das Fass randvoll war. Ich saß zuhause im Auto, es war dunkel. Da piepte mein Handy. Als ich drauf sah, hatte meine ältere Schwester in unsere Whatsapp Schwesterngruppe einen Brief gepostet, den ich ihr geschrieben hatte, als sie in die Ausbildung ging. Sie war 16, ich 13. Es war also knapp 20 Jahre her. Als ich den Brief sah, viel es mir wie Schuppen von den Augen: Ich hatte mit 13 geschrieben: Folge deinem Herzen, es kennt den Weg. Und darunter ganz groß „Versuch es!“. Meine Schwester hatte einfach nur eine Erinnerung teilen wollen, aber für mich war es das Zeichen, von wo auch immer. Das Leben schickt dir die Menschen, die Zeichen, die du brauchst und deutlicher ging es jawohl nicht 😀
Ich ging ins Haus und eröffnete meinem Freund, dass ich meinen Job kündigen würde. Er sah, dass ich fest entschlossen war. So kam es dann, dass ich meinen Job kündigte, ohne etwas neues in Aussicht zu haben.

Heute: 10. Januar 2018

Ich sitze in einem hippen Cafe in Ubud auf Bali- bin seit einem Monat unterwegs. Was hat sich in meinem Leben geändert seit dem Entschluss vor 12 Monaten? So unglaublich viel. Aber ich muss gleich sagen, dass es nicht nur an der Kündigung an sich lag, sondern daran, dass ich in dem vergangenen Jahr an mir gearbeitet habe. Ich habe Dinge zugelassen, ausgehalten, mich kennengelernt und vertraut. Ich habe mir Zeit genommen für mich und meine Bedürfnisse. Auch das musste ich lernen. Wie verpönt ist es bitte in unserer Gesellschaft, wenn jemand sich Zeit für sich nimmt? Nichts leistet und nicht genau weiß, wo es hingeht? Sind wir dadurch weniger Wert? Als Kind hatte ich gelernt, dass es nicht gut ist, „nichts“ zu machen. Ständig beschäftigt zu sein, das ist wichtig. Ich sage konsequent: NEIN. Ist es nicht. Folge der Freude, mach das, was dich erfüllt. Das Leben muss nicht hart sein, es muss nicht weh tun, du brauchst nicht ständig unter Strom sein und abliefern. Du bist auch liebenswert, wenn du das alles nicht tust. Die Liebe findest du nicht bei anderen Menschen, nicht bei deinen Eltern, nicht bei deinem Partner. Niemand kann dich glücklich machen, kein Geld der Welt kann das. Es ist egal, ob du auf Bali bist oder in Bottrop. Es ist Banane. Denn du nimmst dich überall hin mit. Wenn dein Innenleben dunkel ist, ist es auch dein Außenleben. So einfach ist es. Es fängt innen an.
Wenn jetzt jemand sagt: Ja Annemarie, aber dann hättest du deinen Job doch gar nicht kündigen brauchen. Doch, das musste ich. Denn ich hätte unter den heutigen Umständen diesen Job einfach nicht. Ich habe mich verändert und die Jobkündigung war nur der Anstoß. Meine innere Stimme hat mir schon lange gesagt, dass ich den Job loslassen muss- ich habe es nur lange ignoriert. Noch länger und meine Gesundheit hätte rebelliert- in den Wochen vor der Kündigung reihte sich übrigens ein Virus an den anderen und ich war häufig krank. Witzigerweise wurden mir immer mehr Probleme bei der Arbeit präsentiert, ich musste immer mehr kämpfen- heute ist auch das ein Zeichen für mich.
Ich habe in dem letzten Jahr viele Sachen ausprobiert, habe viele neue Menschen kennengelernt, Gelegenheiten bekommen. Ich habe trotzdem immer wieder versucht, die Kontrolle wieder zu bekommen und fieberhaft überlegt, wie ich mein nächstes Geld verdienen kann. Sollte ich Workshops anbieten? Webinare? Coach werden? Die Anstrengungen über diese Frage haben mich viel Kraft gekostet, denn es sind die Gedanken, die uns häufig blockieren. So war es auch bei mir. Wenn ich mir heute einen Ratschlag an mein Ich am 10. Januar 2017 geben würde: Nimm dir die Zeit. Chill mal und mache den Kopf frei, damit dich das Neue finden kann. Vor allem: Mache die Dinge, die dir Spaß bringen. Folge der Freude und lass los.
Auch heute weiß ich noch immer nicht zu 100 % wie es bei mir weitergeht. Aber ist es nicht das, was das Leben aufregend und spannend macht? Wenn alles vorgeplant ist und unumstößlich, wie langweilig wäre es dann? Auf jeden Fall habe ich gelernt, das Leben mehr zu schätzen, es dankbar jeden Morgen zu begrüßen und mehr den Moment zu genießen. Ich bin aber kein Profi und häufig holen mich auch dunkle Gedanken ein. Doch wenn ich nur einen Menschen mit meinem Blog und Podcast erreichen kann, den ich inspiriere oder helfe bei seinem Weg, dann ist für mich alles erreicht. Es erfüllt mich mit tiefer Dankbarkeit, dass ich meinen Weg gehe- auch für andere.
Wie sagte Oprah das so wundervoll in ihrer Golden Gobe-Rede: There is a new day on the horizon! So bin ich davon überzeugt, dass immer mehr Menschen ihrer inneren Stimme folgen werden und für ihre Werte, für ihre Begeisterung und Freude losgehen werden.
Wenn dir der Mut dazu fehlt, dann hoffe ich, dir ein bisschen davon zu geben.
Annemarie
 Photo by Larm Rmah on Unsplash

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4 Comments

  • Reply Silja Januar 10, 2018 at 9:54 pm

    Hallo liebe Annemarie,

    Was für ein wunderschöner Artikel! Ich wurde Ende November bei meinem ungeliebten Job in der Probezeit gekündigt und bin seitdem so meistens so glücklich (für meine Familie völlig unverständlich), weil ich endlich herausfinden kann, was mir wirklich liegt und nicht was das nächst beste ist und wie ich meine Vision umsetzen kann. Aber manchmal fehlt mir trotzdem vertrauen. Hast du da einen guten Tipp? Was machst du denn du nicht weiter weißt und zweifelst?

    Liebste Grüße aus mannheim
    Silja

    • Reply Annemarie Januar 11, 2018 at 3:19 pm

      Liebe Silja,

      ganz lieben Dank für dein Feedback! Kann ich total verstehen, das mit dem Vertrauen. Diese Angst wird auch immer wieder mal kommen, ich glaube niemand ist wirklich frei davon. Wichtig ist es in dem Moment nicht in diese Grübeleien zu versinken, ich kenne das nämlich zu gut 😉 Ich versuche dann rauszugehen, in die Natur mit meinem Hund und mich einmal durchpusten zu lassen, abzulenken. Dinge machen, die mir Freude bereiten. Dann frage ich mich zB auch häufig, was wäre die Alternative gewesen? Ein unglückliches Dasein? Das hilft mir häufig, dann meinen Weg weiterzugehen. Und was mir auch hilft: Nicht zu weit in die Zukunft zu schauen und mehr versuchen, das Hier und Jetzt zu genießen.
      Ich hoffe, dass es dir gelingt- ich weiß, es ist nicht einfach. Alles liebe für dich!

      Liebe Grüße aus Ubud
      Annemarie

  • Reply Theresa Januar 11, 2018 at 11:25 am

    Liebe Annemarie,
    vielen Dank für deinen kraftvollen und so wahren Text! Ich bin weder auf Bali noch in Bottrop sondern in Berlin und sehe das alles ganz genau wie du 😉 Eine Prise Mut kann ich auf jeden Fall gerade gut gebrauchen, denn wenn die Zukunft ungewiss ist, sind das Vertrauen und Loslassen nochmal eine etwas größere Herausforderung. Aber wie sagst du so schön? Folge der Freude! 🙂
    Alles Liebe und Gute dir für deinen Weg!
    Theresa

    • Reply Annemarie Januar 11, 2018 at 3:22 pm

      Liebe Theresa,

      danke, wie lieb von dir!! Ich freue mich sehr, dass ich dir ein wenig Mut machen konnte mit meinem Text! Genau #teamfreude 😀 Dir auch alles liebe!

      Liebe Grüße aus Ubud
      Annemarie

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