Komm, ich erzähl dir meine Geschichte…

Juni 30, 2017

Wie heißt es so schön, in dem Buch „Komm, erzähl mir eine Geschichte“? „Kindern erzählt man eine Geschichte zum Einschlafen, Erwachsenen erzählt man eine zum Aufwachen…“ Hier ist ein Teil meiner Geschichte, die dich inspirieren soll:

Vor genau zwei Jahren lebte ich noch ein komplett anderes Leben: Ich hatte bis dahin einen längeren beruflichen Weg hinter mich gebracht, hatte nach einer Berufsausbildung mein Abitur nachgeholt, dann ein fünfjähriges Masterstudium durchgezogen und ich dachte: Japp, dann bist du am Ziel! Jetzt muss ich darüber laut lachen! Am Ziel bist du doch irgendwie nie oder? Was ist es denn, wohin du willst? Was willst du erreichen, damit du vollkommen glücklich bist? Genug Geld verdienen? Eine Eigentumswohnung, einen Job der dich zufrieden stellt? Was ist dein WARUM?

Genau diese Fragen kamen bei mir hoch. Denn eigentlich hatte ich alles, was ich wollte: Einen Job, der mir -eigentlich- Spaß brachte, gelegentliche Reisen, viele wunderbare Freunde, ein schönes Zuhause und eine harmonische Beziehung. Ich lebte halt, so wie es jeder macht- keine besonderen Vorkommnisse. Dann hatte ich vor fast genau 2 Jahren einen Autounfall, der mich zwang, mein Leben aus einer komplett anderen Perspektive anzuschauen. Ich meine, da lag ich: Im Krankenhaus, angeschlossen an Maschinen, damit beobachtet werden konnte, ob in den 48 Stunden nach dem Unfall noch irgendwelche inneren Verletzungen auftauchen würden. Dieses Gefühl werde ich niemals vergessen. Ich war hilflos, ich war völlig bloß gestellt worden vom Leben, das mich fragte: „Na Annemarie, wie siehts aus? Wie wäre es, wenn du dich jetzt verabschieden müsstest: Hast du bisher immer die Dinge gemacht, die dich erfüllt haben oder hast du eher gesellschaftliche Werte und Normen eingehalten?“

Wir verändern uns ausschließlich durch zwei Sachen in unserem Leben: Entweder durch SCHMERZ oder durch INSPIRATION. Ich habe eine sehr schmerzhafte Erfahrung gemacht, das Leben hat mir damit gesagt: „So, ich gebe dir nochmal eine Chance- schau dich mal um, ob du vielleicht was essentielles übersehen hast.“ So oder so in etwa habe ich das für mich interpretiert.

Ich begann mich zu fragen, was ich mit meinem Leben eigentlich wirklich anfange möchte. Ganz klar: Was machte ich eigentlich den ganzen Tag? Ich stand morgens auf, fuhr zur Arbeit, verbrachte den Tag am Schreibtisch oder im Auftrag meines Arbeitgebers, setzte mich an den Mittagstisch mit Kollegen und nach Feierabend gehörten mir vier Stunden Zeit, die ich dann mit Serien oder Filmen verbrachte. That´s it!
Es gab schon mal Momente, in denen ich mich fragte, ob das jetzt alles gewesen sein soll. Jede Woche der gleiche Ablauf? Aber so machten es ja alle, oder? Dann scheint es ja normal und richtig zu sein.

Genau da setzte ich an: Ich merkte schnell, dass ich diese Art, meine Lebenszeit zu verbringen, nicht freiwillig wählen würde, wenn mich jemand gefragt hätte. Ich habe es einfach entschieden, weil mein Unterbewusstsein darauf konditioniert war. Es war keine bewusste Entscheidung, es war ein Mitlaufen mit der Masse. Ich schrieb mir auf, was ich mir anstatt dessen wünsche: Einen Tag, den ich so gestalten kann, wie ich es mir wünsche. Versteht mich nicht falsch, ich wollte nicht jeden Tag auf der Couch liegen und Serien schauen 😀 Mir ging es eher um ein Gefühl: Ich wollte Freiheit für die Dinge, dich mich erfüllen. Aber genau die Dinge musste ich erstmal herausfinden. Ich hatte also einen langen Weg vor mir, was mir damals natürlich noch nicht klar war.

Nachdem ich wieder in meinen Arbeitsalltag zurück musste, hatte sich eine Menge in mir verändert. Ich merkte, dass etwas in mir aufgewacht war und es war jetzt meine Aufgabe, es am Leben zu erhalten und es nicht wieder verschwinden zu lassen. Doch wie sollte ich das machen? Ich wusste nicht, was ich konkret verändern konnte. Mein Umfeld war das gleiche wie vorher, nur bei mir war etwas anders.

Ich musste mich verändern, mir wurde so plötzlich die absolute Endlichkeit des Lebens bewusst und dieser Schmerz ließ mich nicht mehr los. Ich wollte nicht am Ende meines Lebens Dinge bereuen, verpasste Möglichkeiten und Chancen nachtrauern und meinen Kindern und Enkelkindern immer wieder erzählen, was hätte sein können. Ich wollte mein Leben so gestalten, wie ich es mir wünschte und genau das musste ich erstmal herausfinden.

In den darauffolgenden Monaten abonnierte ich Podcasts, hörte viele Hörbücher (gerade während der langen Autofahrten zur Arbeit) und las viele Bücher. Ich entwickelte so nach und nach ein Bewusstsein für das, was ich wollte und hielt diesen Veränderungsprozess nicht nur am Leben, sondern ich nährte ihn, so dass er sich regelrecht zu einer Aufgabe entwickelte, die mir mehr Sinn zu geben schien. Ich beschäftigte mich endlich mit mir selbst, nicht mehr mit den Dingen, die im Außen passierten. DAS eröffnete mir die Tür zu einem ganz neuen Bewusstsein und dafür bin ich unendlich dankbar.

Heute möchte ich meine Geschichte teilen und dich inspirieren, dich auch auf diesen Weg zu machen. Wie du gelesen hast, habe ich mit kleinen Dingen angefangen. Ich konnte am Anfang nicht einfach meinen Job kündigen und losgehen. 1. Weil ich nicht wusste, wohin und 2. Weil ich noch lange nicht so weit war, um meinen Job aufzugeben. Das war ein Prozess, der Zeit brauchte. Ich weiß, dass auch nicht jeder seinen Job kündigen muss, um glücklich und erfüllt leben zu können, aber ich glaube, dass jeder, der sich mit der Entwicklung seiner Persönlichkeit beschäftigt, ein Ziel verfolgen wird, das größer ist als derjenige selbst. Davon bin ich zu 100 % überzeugt.

Mein Tipp: Fang klein an. Lies Bücher, höre Podcasts oder Hörbücher, die dich inspirieren. Eine Liste von Büchern, die mir geholfen haben, findest du hier

Let your heart be your compass…
Annemarie

Photo by Andrew Draper on Unsplash

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1 Comment

  • Reply Christin Juni 30, 2017 at 8:51 am

    Vieles was du schreibst hätte genau so gut aus meiner Feder stammen können 🙂 weiter so

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